Verhandlungssicher auf internationalem Parkett

18.11.2018

ABG zu Gast beim Model European Parliament

Vom 2. - 4. November 2018 besuchten sechs Schülerinnen und Schüler des Anton-Bruckner-Gymnasiums gemeinsam mit ihrer Englischlehrerin Frau Käser das Model European Parliament (kurz: MEP) in den Niederlanden. Initiator und Organisator des Projekts ist die Afnorth International School, eine mehrsprachige Nato-Schule in Brunssum. Ziel der Veranstaltung ist, ein möglichst originalgetreues Modell des Europäischen Parlaments darzustellen, in dem Jugendliche als Abgeordnete agieren.

Das offizielle Programm begann am Freitag, den 2. November, nachdem alle Delegierten im Konferenzzentrum Abdij Rolduc, einem beeindruckenden Klostergebäude im niederländischen Kerkrade, eingetroffen waren. Für alle Teilnehmer startete das Wochenende mit einem Einführungsworkshop, in dem die wesentlichen Abläufe im Parlament und den Komitees erklärt wurden. Die fünf beim MEP berücksichtigen Parteien entsprechen den Wichtigsten auf europäischer Ebene, wobei beachtet wurde, möglichst das gesamte Parteienspektrum abzubilden. Die bürgerliche EPP, die soziale S&D und die liberale ALDE waren ebenso vertreten wie die linken GREENS und die europakritische ECR. Jeder Delegierte hatte bereits im Vorhinein eine Partei zugewiesen bekommen, ebenso wie ein Komitee, in dem er tätig sein sollte. Die fünf verschiedenen Komitees konzentrierten sich alle auf ein spezielles Themengebiet, das auch in Wirklichkeit Gegenstand politischer Diskussionen ist. So wurde zum Beispiel im Komitee für Sicherheit und Verteidigung über Europas Antwort auf ein potentielles Wettrüsten in unserer Welt beraten.

Im Anschluss an ein reichhaltiges und gutes Abendessen kamen die Abgeordneten dann zu den Fraktionssitzungen ihrer jeweiligen Parteien zusammen, um ihre politischen Leitlinien und die gemeinsame Position für die Komitees zu besprechen. Darauf begann die Arbeit an den Gesetzesvorschlägen und die Verhandlungen mit Vertretern anderer Parteien. Durch gezieltes Lobbying sollte bereits zu diesem Zeitpunkt erreicht werden, dass die Entwürfe auch Ideen anderer Fraktionen enthalten und als Basis für eine Common Position im besten Fall auf deren Zustimmung stoßen. Bis spät in die Nacht wurde intensiv weiterdiskutiert und an den Formulierungen des eigenen Gesetzesvorschlags gefeilt.

Am nächsten Morgen stand dann die offizielle Eröffnungszeremonie des MEP an, die feierlich mit der Europahymne und den Reden des MEP-Direktors und des Parlamentspräsidenten gestaltet wurde. Gleich danach fanden sich wieder die einzelnen Fraktionen zusammen, um ihren Entwürfen den letzten Schliff zu verpassen. Auch der Lobbyingprozess startete erneut, nun, um Unterschriften von Mitgliedern anderer Parteien zu sammeln. Dies war notwendig, damit der Gesetzesvorschlag im Komitee diskutiert und zur Abstimmung gebracht werden konnte.

Nach dem Mittagsessen trafen sich dann die Komitees und versuchten bei den vorliegenden Parteivorschlägen durch das Ergänzen oder Streichen von Inhaltspunkten einen fraktionsübergreifenden Konsens zu finden. Dies rief oft heftige Diskussionen hervor und verlangte allen Delegierten nicht nur Durchhaltevermögen, sondern auch Kompromissbereitschaft ab. Letztendlich konnte sich aber immer auf einen gemeinsamen Gesetzesvorschlag geeinigt werden.

Das anschließende, wohlverdiente Abendessen stellte eine kurze Verschnaufpause dar, die alle Teilnehmer vor dem nächsten Programmpunkt gebrauchen konnten. Gut gestärkt ging es nämlich jetzt in die Plenarsitzung des Parlaments, in der alle Partei- und Komiteevertreter anwesend waren. Geleitet vom Präsidenten und Vize-Präsidenten stimmte die Gesamtheit aller Delegierten nach vorausgegangenen Diskussionen und vereinzelten Änderungen über die Gesetzesentwürfe ab. Nicht jeder Entwurf erhielt im Plenum letztendlich eine Mehrheit, die spannenden Debatten bei besonders strittigen Punkten waren aber zumeist sehr konstruktiv. Auch nach Ende der Sitzung brach die Begeisterung für politische Diskussionen nicht ab, die Delegierten tauschten sich untereinander aus und die Möglichkeit zum sozialen Netzwerken mit Jugendlichen aus dem Ausland wurde fleißig genutzt.

Da der Sonntag schon der letzte Tag des MEP war, musste nun über alle noch nicht besprochenen Gesetzesentwürfe der Komitees im Plenum abgestimmt werden. Überraschend oft entstand die Situation, dass sich die Abgeordneten einer Fraktion untereinander nicht einig waren, was zu unerwarteten Abstimmungsergebnissen führte. Dennoch wurden am Ende immer gute Ergebnisse präsentiert, auf die alle Beteiligten stolz sein konnten. Nach einem letzten Mittagessen mussten wir aufgrund unserer langen Heimreise auch schon den Weg zurück nach Straubing antreten, die abschließende Plenarsitzung bekamen wir so leider gar nicht mehr mit.

Die verfrühte Abreise tat unserer Begeisterung über das verbrachte Wochenende aber keinen Abbruch. Jeder war stolz, die Möglichkeit zur Teilnahme am Model European Parliament genutzt zu haben. Die intensive Auseinandersetzung mit politisch relevanten Themen auf englischer Sprache stellte für jeden eine Bereicherung dar. Der Kontakt mit Jugendlichen aus anderen europäischen Ländern und die besondere Atmosphäre während des Wochenendes werden allen Teilnehmern nachhaltig in Erinnerung bleiben. Außerdem konnte jeder erneut feststellen, wie schwierig die Arbeit als Politiker eigentlich ist und vor welche Herausforderungen man als solcher – besonders auf europäischer Ebene – gestellt wird. Doch trotz aller Probleme, die in den verschiedensten Situationen auftaten, war eine Sache für die Delegierten klar: Von einer geeinten und starken Europäischen Union können wir alle profitieren, doch damit dies auch in Zukunft so bleibt, müssen wir selbst daran arbeiten. Aufstehen und seine Meinung zu äußern – in politischen, wie in nicht politischen Angelegenheiten –, das gehört zu den wichtigsten Aufgaben, die wir als Jugendliche haben.

Lukas Prommersberger, Q11

Das Anton-Bruckner-Gymnasium darf sich über eine überaus großzügige Spende von 1000 € von der Volksbank Straubing, überreicht von Vorstandsmitglied Norbert Herten, freuen. Diese Summe ermöglichte es sechs ausgewählten Schülern, Anfang November am jährlich an einer internationalen Schule im holländischen Brunssum stattfindenden Model European Parliament teilzunehmen und zusammen mit rund 300 anderen Schülern aus ganz Europa Politik hautnah zu erleben.

Auf dem unteren Foto zu sehen: Norbert Herten, Projektleiterin Heidrun Käser, Tim Herten, Robert Kimmerling, Lukas und Simon Prommersberger, Coralie Englberger, Simon Hegemann und Schulleiterin Dr. Eva Huller

Was das ABG auszeichnet:

MINT-freundliche Schule
MINT-freundliche Schule digital
Make your school Projektschule
bildung.digital im Ganztag
TheoPrax Kommunikationszentrum Straubing
Berufswahlsiegel
DELE Prüfungsschule
DELF-Partnerschule
Europaschule
Jugend debattiert - wir machen mit!
Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage
Fairtrade Schule
Umweltschule
Deutsche Schachschule