Semper apertus – Rückblick auf das Ferienseminar für hochbegabte und besonders leistungsfähige Gymnasiasten

21.08.2018

Von Montag, den 30. Juli bis Freitag, den 3. August 2018, bekamen rund dreißig Schülerinnen und Schüler der 11. Jahrgangsstufe von Gymnasien aus ganz Niederbayern die Möglichkeit, in Passau am „Ferienseminar für hochbegabte und besonders leistungsfähige Gymnasiasten“ teilzunehmen.

Die aufgrund ihrer herausragenden schulischen Leistungen und ihres besonderen außerschulischen Engagements ausgewählten Teilnehmer reisten zu Beginn der ersten Woche der Sommerferien in die Stadt der drei Flüsse. Nachdem sich am späten Vormittag alle im „Haus der Jugend“, in unmittelbarer Nähe zur Veste Oberhaus gelegen, eingefunden hatten, wurden nach einer stärkenden Mahlzeit in Kleingruppen die Zimmer bezogen.

Im Anschluss daran stand bereits die erste Veranstaltung auf dem Programm, geleitet von Franz Pittrich, der die Anwesenden durch zahlreiche Aufgaben und Gruppenübungen in das kreative Arbeiten im Team einführte.

Die dort erworbenen Fähigkeiten konnten die Teilnehmer auch gleich auf musikalische Weise im zweiten Event des Tages anwenden. Unter der Leitung von Dr. Christian Kelnberger wurde dabei im Chor und mit Instrumenten das vierstimmige Musikstück „April is in my mistress face“ von Thomas Morley einstudiert.

Der nächste Tag begann nach dem Frühstück mit einer Lesung des Autors Harald Grill, der seine meist in bairischer Mundart verfassten Werke vortrug und seinem Publikum einen interessanten Einblick in seinen Arbeitsalltag als Schriftsteller gab.

Nach dem Mittagessen führte Dr. Markus Hünemörder die Seminargruppe mit einem englischen Vortrag in die aktuelle amerikanische Politik unter Trump ein, beleuchtete dessen politische Zielsetzungen und populistische Mittel und ließ auch einige Cartoon-Charaktere – unter anderem die allseits bekannten Simpsons – in satirischer Manier zu Wort kommen.

Politisch ging es auch am Mittwochvormittag mit einem Vortrag über Terrorismus weiter. PD Dr. Alexander Straßner erläuterte nicht nur diverse Ausprägungen von Terrorismus, sondern brachte seinen Zuhörern auch dessen Entstehungsmechanismen nahe, wobei er sich durchaus systemkritisch äußerte und zu verantwortungsbewusstem Verhalten anregte.

Nachmittags bekam das Seminar Besuch von Kultusminister Bernd Sibler. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde stand er den Schülerinnen und Schülern für eine halbstündige Fragerunde zur Verfügung und tauschte sich mit ihnen in offener Gesprächsatmosphäre über sämtliche Themen rund um Schule, Studium und Bildungspolitik aus.

Anschließend stand für die Seminargruppe ein Rundgang durch die historische Altstadt auf dem Plan. Nicht nur der Passauer Dom wurde in ungewohnt luftiger Höhe besichtigt, auch der Bischofspalast und das Amtsgericht Passau kamen nicht zu kurz. In der darauffolgenden Freizeit konnten die Teilnehmer in Kleingruppen auf eigene Faust noch die kulinarischen „Sehenswürdigkeiten“ Passaus erkunden.

Der Donnerstagvormittag gestaltete sich vorwiegend naturwissenschaftlich. Auch der technische Aspekt fand im Bionik-Vortrag von Kirsten Wommer Berücksichtigung. Hier durften die Elftklässler selbst eigene Experimente durchführen. Die vielseitige Anwendbarkeit der Ergebnisse stellte dabei für viele Teilnehmer eine positive Überraschung dar.

Das Phänomen des Autismus beschäftigte das Seminar am Nachmittag. Nach einer Einführung von Barbara Völtl, Pädagogin Univ. B.A., tätig im Netzwerk Autismus Niederbayern, folgte ein Bericht von Julian Leske, einem Autisten, der trotz seiner Einschränkung stets versucht, seine sozialen Fähigkeiten zu verbessern. Auch wenn dies für ihn mit großen Herausforderungen verbunden ist, möchte der Sechsundzwanzigjährige für Neues offen bleiben. „Semper apertus – immer offen“ ist sein erklärtes Motto – ein Leitspruch, der in dieser Woche auch auf sein interessiertes Publikum zutraf.

Das inhaltliche Angebot des Seminars wurde am letzten Tag mit einem mathematischen Vortrag zur Tomographie abgerundet. Nach einer kurzen Einführung in die tomographische Arbeitsweise erläuterte Prof. Dr. Thomas Sauer anhand von verblüffenden Beispielen – wie etwa Überraschungseiern – die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten dieser vielversprechenden Wissenschaftsmethode.

Ein Besuch des Seminarveranstalters, Ltd. OStD Anselm Räde, Ministerialbeauftragter für die Gymnasien in Niederbayern, bildete am Freitagvormittag den letzten Programmpunkt der abwechslungsreichen Woche. Die Schülerinnen und Schüler präsentierten die während des Seminars in Gruppenarbeit erstellte Seminarzeitung mit Artikeln zu den einzelnen Vorträgen. Nachfolgend schilderten sie in einer offenen Gesprächsrunde ihre persönlichen Highlights der Woche. In einem sachlich-konstruktiven Austausch wurden auch einzelne Kritikpunkte angesprochen, die jedoch der Begeisterung für das Erlebte keinen Abbruch taten. Selbst die anhaltende Hitze hielt die Teilnehmer nicht davon ab, den Referenten ihre volle Aufmerksamkeit zu schenken und produktiv mitzuarbeiten.

Zum Abschluss erhielten die betreuenden Lehrkräfte LAssin Christina Müller und LAss Stefan Wecker, beide vom Gymnasium Vilshofen, sowie StRin Silke Rager, Mentorin für besonders Begabte am Anton-Bruckner-Gymnasium und Leiterin des Ferienseminars, ein kleines Dankeschön von Herrn Räde, bevor er auch die Schülerinnen und Schüler verabschiedete und in die wohlverdienten Ferien entließ. Für die Elftklässler stellte das Seminar jedoch keinen Verzicht auf ihre erste Ferienwoche dar, sondern vielmehr eine Bereicherung dar. Neue Freundschaften wurden geknüpft und wertvolle Erfahrungen – auch im Hinblick auf das spätere Berufsleben – gesammelt. Vor allem aber nehmen die Teilnehmer eines mit: die Erkenntnis, dass es sich lohnt, stets offen zu sein für neue Themen, Menschen und Erlebnisse.

 

Ylva Miksch, Q11

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