Komödiantik, Kammermusik und hohes Können

05.03.2019

Musikalische „Faschings-Sternstunde“ am Anton-Bruckner-Gymnasium

 „Hereinspaziert - hereinspaziert“: Zu den Klängen eines charmanten Walzers von Carl Ziehrer betraten Fr. Götz-Rigaud-Caravana und Dr. Stoffels die Bühne in der Aula des Anton-Bruckner-Gymasiums. Sie führten in einer Mischung aus fachlichen Hintergrundinformationen und ironischem Plauderton durch das Programm des diesjährigen Faschingskonzerts. Das festlich gekleidete „Salzburger Haus- und Hof-Kammerensemble“ eröffnete den abwechslungsreichen Reigen der Programmpunkte mit Mozarts „musikalischem Spaß“, der die kompositorische Schwerfälligkeit seiner Zeitgenossen aufs Korn nimmt. Verschiedene vom Bearbeiter Dr. Stoffels eingestreute Zitate (z. B. aus „Star Wars“ oder Beethovens „Fünfter“) verliehen dem Werk eine karnevaleske Vielschichtigkeit. Barocke bzw. galante Kammermusik setzten dann Georg Hiendl, Violine (mit Vivaldis g-Moll-Konzert) und das Klaviertrio mit Susanna Gilfrich, Julia Frank und Maya Thiel (Triosonate von Schobert) gekonnt in Szene. Der Regenschirm, der dann zu Glasunows „Hagelschauer“ (Franziska Kammerl, Violine) die Bühne zierte, sorgte genauso wie diverse passende Verkleidungen der Schüler für Farbtupfer, die der „5. Jahreszeit“ angemessen waren. Die laut dem Moderatorenpaar erwünschte „russische Seele“, die vor allem im warmen Klang der Geige mitschwingt, begeisterte das Publikum auch in den anderen, höchst ansprechenden Violinsoli von Lea Gilfrich (Portnoffs „Russische Fantasie“), Emma Pfeffer (Komarovskys 2. Violinkonzert) und Jasper Schulze (Mussorgskys „Hopak“).

Weitere Programmpunkte aus anderen Nationen zeigten, wie universal die Sprache der Musik ist: Mit romantischem Klangzauber betörten die Pianistin Karin Luczak (Griegs „Schmetterling“) und die Klarinettistin Clara Dirscherl (Gade: „Phantasiestück“). Osteuropäisch-virtuos wurde es dann mit den Beiträgen von Susanna Gilfrich (Dvorak: „Slavische Fantasie“ für Violine“) und Andrei Caracas (Chopin: Polonaise A-Dur). Ebenfalls mit mitreißender Leidenschaft und hoher Kunst am Instrument überzeugten die geigenden „Gilfrich-Sisters“ Christina und Susanna (de Bériot: „Duo concertant“) und die Klarinettistin Lena Räß (Baermann: Allegro d-Moll). Mit einem komödiantisch dargebotenen Einblick in den Probenalltag des Bläserkreises wurde das Publikum in die Pause entlassen. Fetziger Jazz und prickelnde Erfrischungen stimmten dann auf den zweiten Teil des Abends ein, der der Popularmusik zugewandt war.

Nachdenklich und leicht melancholisch, aber dennoch sehr gefällig wirkten die Beiträge der Pianistinnen Maria Gölzhäuser, Lena Henning und Eleonora Vasjjev („Mad World“, „Passing Days“ und „Passaggio“); in diese Reihe fügte sich der „Stiffkey Blues“ für Violine (Lena Kößl) sehr gut ein. Viel Jazzerfahrung verrieten die überaus versierten Posaunisten Moritz Schlecht und Elija Rieser (begleitet von Johannes Stern, Drums), die Stücke aus den „Jazz Duets“ von Lenny Niehaus interpretierten.

Einen Bogen zur parodistischen Intention des Eröffnungsstücks des Abends schlug Debussys „Doctor Gradus ad Parnassum“ (feinsinnig wiedergegeben von Victoria Berger), in dem der französische Freigeist die damals obligatorischen Klavieretüden aus Clementis „Gradus ad Parnassum“ aufs Korn nimmt. Mit Chatschaturjans expressionistisch-wilder „Toccata“ brillierte dann der Pianist Maximilian Opel.

Die letzten fünf Programmpunkte zeigten dann verschiedene „verzwickte“ Aspekte des Rollenverhältnisses von Männern und Frauen: Leonhard Cohens berühmtes „Halleluja“, laut Moderatorin Götz-Rigaud ein „Sargnagel“ im Hochzeitsmusik-Repertoire, widmet sich unter anderem dem Ehebruch von David und Batseba (und wurde nichtsdestotrotz hinreißend gesungen von Lucas Fechter). Selbstbewusste, aber eitle Frauenfiguren stehen im Mittelpunkt der Songs „Me too“ von Meghan Trainor (unglaublich souverän von Nastassja Franz, vocals) und „Material Girl“. Als Madonna verkleidet, brachte Lehrer Christian Zintl mit astreiner Power-Kopfstimme den Saal mit diesem Song zum Toben. Wie um diesen Auftritt noch zu toppen, stolzierte dann Frau Götz-Rigaud als „extravagant“ ausstaffierte „Schönheitskönigin von Schneizlreith“ in den Saal: Das von Ludwig Prell für seine Tochter Balli geschriebene Lied ist ein Höhepunkt komödiantischer Volkskunst, von Fr. Götz-Rigaud genial interpretiert und (interessanterweise) in tieferer Lage als das vorausgehende Madonna-Lied gesungen.

Im Anschluss daran gehörte die Bühne wieder den Schülern. Das Oberstufen-Gesangsensemble demonstrierte abschließend mit „Peng, i hob di gseng“ das ausgesprochen hohe musikalische Niveau am Anton-Bruckner-Gymnasium. Das Jazz-Stück von Elmar Raida begeisterte mit einem spritzigen Dialog zwischen Damen und Herren, wobei das „Peng“ den Moment des ersten Blickkontakts zweier Verliebter beschreibt. Ein beschwingter Schlusspunkt eines ganz besonderen Abends, dem in kommenden Jahren zu den Faschingszeiten hoffentlich noch weitere in dieser Art folgen werden.

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