Peer Gynt - begeisterende Aufführung im Theater am Hagen

03.02.2018

Erst vor einem dreiviertel Jahr machte das Anton-Bruck­ner-Gymnasium mit der Pro­duktion des Jugendbuch-Klassikers „Krabat" als Musiktheater von sich reden. Jetzt „Peer Gynt" nach dem Text von Henrik Ibsen

 und der Mu­sik von Edvard Grieg in bearbeite­ter Fassung. Es ist - so erfährt man am Rande - das Abschiedsprojekt von Kunstlehrerin Iris Schaar­schmidt als Leiterin der Theater­gruppe, bereits seit zwei Jahren lau­fen die Vorbereitungen. Ihre Nach­folgerin Theresa Neudecker hat sie bereits eingearbeitet. Die Musik-Adaption stammt wie immer aus der Feder von Dr. Bernhard Stoffels, der auch das Orchester leitet. Um es vorweg zu nehmen: mit dieser inter­disziplinären Gemeinschaftspro­duktion hat das musische Gymnasi­um wieder einmal Maßstäbe gesetzt, nicht nur für die anderen. Auch für alle nachfolgenden Projekte dieser Art am ABG hegt die Messlatte nun noch höher. Heimlich, still und leise hat das Bruckner diese Art von dra­maturgisch-musikalischen Insze­nierungen weit über das Niveau von Schülertheater zu einem neuen Markenzeichen entwickelt.

Nicht von ungefähr wohl wurde wieder ein Stoff gewählt, der nah den Themen ist, mit denen auch sei­ne jugendlichen Interpreten kon­frontiert sind. Ein junger Mann, vom Vater misshandelt und von der Mutter überbehütet, ist auf der Su­che nach sich selbst, dem Sinn des Lebens und der wahren Liebe. Er versucht durch Lügengeschichten zu beeindrucken, stürzt sich in Fan­tasiewelten, bis die Grenzen zwi­schen Traum und Realität und die zwischen verschiedenen Identitäten verschwimmen. Erst die Liebe von Solveig (Johanna Lummer, Taisha Mages) kann ihn retten.

Es ist ein geschickter Kunstgriff, dass viele wichtige Rollen, ein­schließlich der Titelfigur mehrfach besetzt sind, also in verschiedenen Phasen des Stücks von verschiede­nen Schauspielern verkörpert wer­den. Absolut beeindruckend sind alle vier Darsteller des Peer Gynt (Ivan Blokhin, Josephine Kampf, Katharina Solohub, Lukas Zimolong), die die den anspruchsvollen Text dieser Rolle mühelos beherr­schen und der tragischen Figur des unglücklichen jungen Mannes in seinen verschiedenen Facetten mit­reißend interpretieren.

Das Stück lebt aber vor allem von der Einheit und dem Zusammen­wirken der zahlreichen Akteure al­ler Altersstufen.

In vielen ballettähnlichen Szenen bevölkern Hochzeitsgäste und En­gel, Trolle und Sklaven die Bühne -allein diese Choreografie bekam de­s öfteren zurecht Szenenapplaus. Ei­ner der Höhepunkte: Der Bergkönig erscheint als wabernde Masse, aus dem sich schaurige Fratzen heraus­schälen, umgeben von bunten Trol­len. Es sind diese vielen üppigen Bilder, an denen man sich nicht satt se­hen kann, die freilich nur durch ihre Perfektion und Liebe zum Detail ihre Wirkung entfalten können.- Die tatsächliche Handlung tritt dahin­ter manchmal fast zurück.

 

Multimediales Element: durch Vi­deoprojektionen werden zusätzlich Stimmungen und Effekte erzeugt, etwa als Solveig überlebensgroß aus dem Traum „zugeschaltet" wird

Und dann ist da natürlich die Musik. Das Opus 13 von Edvard Grieg mit seinen bekannten Suiten ist in Verbindung mit Ibsens, Drama umstritten, gilt als zu nationalro­mantisch und wird deshalb bei an­deren Bühnenfassungen oft weg ge­lassen oder nur ironisch verwendet Undenkbar bei der Produktion des Anton-Bruckner-Gymnasiums hier unterstreichen Griegs melan­cholische Weisen das mystische und bisweilen surreale Geschehen und verschmelzen geradezu damit. Wie­der einmal ist kaum zu fassen, dass aus dem Orchestergraben bis auf wenige Ausnahmen nur Schüler steigen.

Sphärenklange zum Schluss: als wären sie nicht von dieser Welt, sin­gen die weiß gekleideten Mädchen des Oberstufenchores (Leitung: Ste­fan Frank) Solveigs Wiegenlied a capella und lassen ein leicht ent­rücktes Publikum zurück. Wäre es ein Kinofilm, würde man erst ein­mal still und ehrfürchtig sitzen blei­ben, bis der Abspann vorbei ist.  (Artikel von E. Bernheim-Geisperger, erschienen im Straubinger Tagblatt am 3.2.2018)

 

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