Wenn eine unaufmerksame Sekunde das Leben radikal verändert…

04.05.2019

P.A.R.T.Y, ein Akronym für „Prevent Alcohol and Risk related Trauma in Youth”, ist das Thema eines deutschlandweiten, seit 2013 stattfindenden Präventionsprojekts zur Vermeidung risikobedingter Verkehrsunfälle. Teilnehmer des Mentorenprogramms und des P-Seminars „Keine Chance dem Stress“ durften in diesem Rahmen einen Tag im Klinikum St. Elisabeth, das in Kooperation mit der Gesundheitsregion plus Straubing das Präventionsprojekt anbietet, Krankenhausluft schnuppern und erhielten dabei wertvolle Einblicke in die Behandlung von Trauma-Patienten.

Eine junge Frau sitzt am Steuer und schreibt eine Nachricht an einen Bekannten. Ihre Freundinnen unterhalten sich und lachen, achten nicht auf die gefährliche Ablenkung. Zentimeter für Zentimeter überquert das Auto die Leitlinie und kommt von der Spur ab. Sekunden später kracht es frontal mit einem zweiten Fahrzeug zusammen, ein drittes kann nicht mehr bremsen. Blut spritzt, krachend brechen Knochen, ein Mädchen schreit nach ihren „schlafenden“ Eltern. Mit diesen drastischen Szenen begrüßte Oberarzt Dr. Markus Vogt die Schülerinnen und Schüler der 11. Klasse im Klinikum St. Elisabeth. Der Grund für die Veranstaltung: Alkohol, Drogen und Smartphones am Steuer sind weiterhin häufige Ursachen für Verkehrsunfälle. Diese können Menschen binnen weniger Sekunden aus ihrem bisherigen Leben reißen und es für immer verändern.

Polizeihauptmeister Frank Heindl erwähnte eindringlich konkrete Zahlen und betonte, dass viele Unglücksfälle durch mehr Vorsicht und vorausschauendes Denken vermeidbar seien. Um die Ablenkung durch Smartphones am Steuer zu zeigen, sollten zwei Schüler während einer simulierten Fahrt am Computer ihre Aufmerksamkeit beweisen: einer vorbildlich mit dem Blick auf die virtuelle Straße, der andere während des Verfassens einer SMS. Gleichzeitig erhielten die beiden die Aufgabe, gelb aufleuchtende Blitze auf dem Bildschirm zu zählen. Es stellte sich heraus, dass der abgelenkte Schüler nur mit Mühe die Hälfte Gefahren erkennen konnte. Die Auswirkungen eines übertriebenen Alkoholkonsums wurden durch „Rauschbrillen“ verdeutlicht, mit denen die beiden Versuchspersonen weder einen Ball hin und her werfen noch einen Schlüsselbund aufheben konnten. Keiner konnte sich vorstellen, so gefahrlos ein Auto zu fahren.

Um all die so surreal wirkenden Auswirkungen eines Verkehrsunfalles in der Realität zu erleben, verfolgten die Schüler in drei Kleingruppen den Weg eines Unfallpatienten durch das Klinikum. Im Rettungswagen, der ersten Station, erklärte ein Sanitäter das Verfahren am Unfallort und den Transport zum Klinikum.

Dort angekommen, werden die Verletzten sofort in den Schockraum gebracht, wo ein Team von Ärzten versucht, das Leben des Patienten zu retten. Doch es ist Eile geboten, denn nach rund einer Stunde sinkt die Überlebenswahrscheinlichkeit des Opfers rasant. Ein Unfallchirurg zeigt und erklärt haargenau, wie im Schockraum die Luftzufuhr der Patienten durch verschiedene Notoperationen und Instrumente gesichert werden kann.

Doch nach dieser lebensrettenden Erstversorgung beginnt erst der Weg für die Opfer durch das Krankenhaus. Denn auf der Intensivstation müssen Tag und Nacht verschiedene Parameter wie der Puls oder die Sauerstoffsättigung des Blutes überwacht werden. „Manche Menschen sind an 15 Maschinen angeschlossen, die ihnen sekundengenau das richtige Medikament in den Blutkreislauf spritzen müssen. Sonst würden sie sterben“, erklärt Dr. Kerscher auf der Intensivstation.

Wenn der Zustand der Patienten endgültig stabilisiert ist, können sie auf eine Normalstation verlegt werden. Eine Schwester auf der Station für Unfallchirurgie redete Klartext und zeigte Bilder von offenen Brüchen, abgerissenen Extremitäten und anderen schweren Verletzungen, alle verursacht durch Verkehrsunfälle. Sie erinnerte die Schüler immer wieder daran, sich niemals mit Alkohol, Drogen oder dem Handy hinter das Steuer zu setzen. Niemand solle sich nach einer Party von einem Betrunkenen nach Hause bringen lassen.

Nach der Mittagspause erwarteten zwei Physiotherapeuten die Gruppe von Jugendlichen und illustrierten den mühsamen Weg eines Trauma-Patienten, der nach der Entlassung aus dem Krankenhaus zum Beispiel erneut lernen muss zu laufen. Durch das Anlegen von verschiedenen Bandagen, Schienen und Korsetts wurde den Schülern klar, mit welchen Einschränkungen man nach einem Unfall leben muss.

Um die Veranstaltung mit einem mahnenden Beispiel zu Ende zu bringen, besuchte eine ehemalige Trauma-Patientin die Schüler. Vor rund vier Jahren war sie in einer Kurve von der Straße abgekommen und gegen einen Baum geprallt. Das Auto war so verformt, dass die Feuerwehr mit hydraulischen Werkzeugen das Fahrzeug aufspreizen und das Dach aufschneiden musste. In beiden Beinen waren über zwanzig Knochen gebrochen. Die Operationen dauern bis heute an, länger als eine Stunde gehen ist weiterhin eine Qual. Doch auch die psychischen Belastungen des Unfalls waren enorm: Die Beziehung zum Partner ging in die Brüche, manche Freunde erkundigten sich kein einziges Mal bei ihr und ließen sie im Stich. Mit 22 Jahren musste sie einen Rentenantrag stellen. „Der Unfall hat mein Leben, wie es vorher war, zerstört.“

Gerade der persönliche Kontakt zu einem Trauma-Opfer machte uns Schülern bewusst, wie wichtig – gerade als Fahranfänger – verantwortungsbewusstes und überlegtes Handeln ist, um die Risikofaktoren im Straßenverkehr zu minimieren und Unfälle zu vermeiden. In diesem Sinne wünschen wir allen Teilnehmern des Präventionsprojekts sichere Fahrt!

Felix Karbstein, Q11

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