Im Rahmen des Theaterabonnements des Anton-Bruckner-Gymnasiums besuchten Schülerinnen und Schüler im Residenztheater München Heinrich von Kleists Lustspiel „Der zerbrochne Krug” in der Inszenierung der Regisseurin Mateja Koležnik.
Kleists Komödie gehört zu den bekanntesten Werken der deutschen Dramenliteratur und zählt inzwischen zur länderübergreifenden Pflichtlektüre im Abitur. Im Mittelpunkt steht Dorfrichter Adam, der eine Gerichtsverhandlung leiten muss – und dabei selbst der Schuldige ist. Als Jurist übte Kleist scharfe Kritik an der zeitgenössischen Rechtspraxis; sein Stück zeigt, dass institutionell nicht Recht gesprochen, sondern Macht ausgeübt wird. Die Uraufführung 1808 in Weimar – inszeniert von Goethe – wurde vom Adel entsprechend empört aufgenommen.
Koležniks Inszenierung bleibt Kleists Werk treu, ersetzt aber dessen Schluss mit einem eigenen Ende. Auf der Bühne: ein Tisch, ein Stuhl, eine hölzerne Bank – das Bühnenbild dünstet Lebensfeindlichkeit förmlich aus, die Drehbühne dreht sich wie eine Spieluhr, in der die Figuren gefangen sind. Oliver Stokowski spielt den Adam als einen, der erst unter Druck so richtig in Fahrt kommt – je offensichtlicher seine Schuld wird, desto offensiver geht er dagegen an.
Den stärksten Moment setzt der Schluss: Am Ende lässt Koležnik Eve ausführlich zu Wort kommen. Lea Ruckpaul deutet den Übergriff des Richters in eine beinahe selbstbestimmte Tat um – eine Frau, die nicht länger Opfer sein will. Eine Figur, die Kleist zum Schweigen verurteilt hatte, bekommt hier die letzte, stärkste Stimme des Abends.
Die anschließenden Gespräche in der Gruppe zeigten, wie unterschiedlich Szenen, Figuren und Botschaften wahrgenommen wurden – und genau darin liegt der Wert solcher Abende: Ein über 200 Jahre altes Stück, das Fragen aufwirft, auf die es keine einfachen Antworten gibt.