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Anton-Bruckner-Gymnasium

Dr.med. Werner Bartens (SZ) beim Winterseminar: Gesundheit jenseits von Trends und Mythen

Im Rahmen des Winterseminars „Stark und gesund – mehr als Muskeln und Likes. Bewegung, Ernährung und Körperbild in jedem Alter“ hielt der Mediziner und Wissenschaftsjournalist Dr. Werner Bartens einen ebenso unterhaltsamen wie aufschlussreichen Vortrag mit dem Titel „Immer zu wenig, immer noch mehr? Protein-Shakes, Kreatin und der Traum vom starken Körper“.
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Im Mittelpunkt seines Vortrags in der übervollen Aula stand die Frage, wie sinnvoll viele der derzeit populären Gesundheits- und Fitness-Trends tatsächlich sind. Dabei zeigte Dr. Bartens, dass gerade in Deutschland häufig mehr konsumiert wird, als dem Körper wirklich nützt. So sei der Proteinverbrauch in der Bevölkerung bereits sehr hoch, zusätzliche Protein-Shakes seien für die meisten Menschen daher überflüssig. Auch Kreatin werde zunehmend von Freizeitsportlern eingenommen, obwohl eine Supplementierung in erster Linie nur für Leistungssportler auf olympischem Niveau sinnvoll sein könne.

Ähnlich kritisch betrachtete Dr. Bartens den weit verbreiteten Einsatz von Vitaminpräparaten. Gesunde Erwachsene bräuchten in der Regel keine zusätzlichen Vitamine. Nur in bestimmten Fällen seien Ergänzungen sinnvoll: Vitamin D etwa für Kleinkinder und ältere Menschen oder Vitamin B12 für Personen, die sich vegan ernähren. Das verbreitete „Gießkannenprinzip“, also vorsorglich möglichst viele Präparate einzunehmen, sei wissenschaftlich nicht zu rechtfertigen.

An einem einfachen Beispiel verdeutlichte er zudem die Komplexität natürlicher Lebensmittel: Beim Apfel sei bislang nur ein Bruchteil der enthaltenen Inhaltsstoffe wissenschaftlich genau bekannt oder erforscht. Dennoch zeige sich, dass gerade das Zusammenspiel aller enthaltenen Substanzen entscheidend für die gesundheitliche Wirkung eines Lebensmittels sei. Dieser Synergieeffekt könne durch isolierte Inhaltsstoffe in Nahrungsergänzungsmitteln kaum nachgebildet werden.

Ein weiteres Thema war der aktuelle Trend zur sogenannten Longevity, also der Hoffnung, durch bestimmte Gesundheitsstrategien besonders lange und gesund zu leben. Viele der beworbenen „Gesundheitscocktails“ oder Anti-Aging-Produkte versprächen Effekte, für die es keine überzeugenden wissenschaftlichen Belege gebe.

Auch das Thema Selbsttracking nahm Dr. Bartens kritisch unter die Lupe. Die häufig genannte Zielmarke von 10.000 Schritten pro Tag gehe auf ein Schrittzählgerät zurück, das 1964 in Tokio entwickelt wurde – und technisch lediglich bis 10.000 zählen konnte. Die Zahl ist also mehr das Resultat geschickten Marketings als eine medizinisch begründete Empfehlung.

Ähnliches gelte für das Schlaftracking. Die zunehmende Besessenheit, den „perfekten Schlaf“ zu erreichen, könne sogar zu einer neuen Form von Stress führen – ein Phänomen, das als Orthosomnie bezeichnet wird. Schlaf lasse sich nicht allein durch Messwerte am Handgelenk beurteilen. Wichtiger seien einfache Gewohnheiten: regelmäßige Rituale, wenig Medienkonsum vor dem Schlafengehen sowie der Verzicht auf spätes Essen oder Alkohol. Auch die Einnahme von Melatonin sei nicht grundsätzlich zu empfehlen; besonders problematisch sei der Einsatz entsprechender Präparate, etwa in Form von Gummibärchen, bei Kindern.

Ein zentraler Begriff seines Vortrags war die Gesundheitskompetenz. Gerade im Internet kursierten unzählige Studien und vermeintliche wissenschaftliche Belege. Viele Influencer beriefen sich auf Studien, die jedoch methodische Schwächen aufwiesen oder falsch interpretiert würden. Deshalb sei es entscheidend zu lernen, seriöse Informationsquellen von zweifelhaften zu unterscheiden.

Dr. Bartens stellte außerdem eine gesellschaftliche Entwicklung fest: Obwohl viele Menschen heute im materiellen Überfluss lebten, sei das Gefühl verbreitet, ständig Defizite ausgleichen zu müssen – sei es durch Supplemente, Trainingsprogramme oder Selbstoptimierung. In einer Welt voller Unsicherheiten versuchten manche Menschen, zumindest die Kontrolle über den eigenen Körper zu gewinnen.

Zum Abschluss richtete Dr. Bartens eine klare Botschaft an die Schülerinnen und Schüler: „Ihr seid gut, so wie ihr seid.“ Besonders Frauen seien häufig einem gesellschaftlichen „Mangelblick“ ausgesetzt, bei dem ständig betont werde, was angeblich noch verbessert werden müsse. Umso wichtiger sei ein realistischer und selbstbewusster Umgang mit dem eigenen Körper.

Der Vortrag zeigte eindrucksvoll, dass ein gesunder Lebensstil weniger mit teuren Präparaten oder digitalen Messwerten zu tun hat als mit Wissen, kritischem Denken und einem gelassenen Blick auf den eigenen Körper. Dass solche Veranstaltungen im Rahmen des Winterseminars stattfinden können, ist auch der Unterstützung des Fördervereins des Anton-Bruckner-Gymnasiums sowie der AOK zu verdanken, die das Seminar fördern und damit einen wichtigen Beitrag zur Gesundheitsbildung an der Schule leisten.

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