Die Schülerinnen und Schüler der Unterstufe (auf den Bildern die 5b) haben sich im Rahmen des Deutsch- und Kunstunterrichts mit dem Schriftsteller Erich Kästner und seinem langjährigen Illustrator Walter Trier auseinandergesetzt — und dabei den Weg von der Textlektüre bis zum eigenen zeichnerischen Versuch zurückgelegt. Dass viele Kinder mit Kästners Werk bereits gut vertraut waren, gab der Unterrichtseinheit von Beginn an eine besondere Dynamik.
Den Ausgangspunkt bildete die Vorbereitung im Unterricht: Anhand eines Sachtextes erarbeiteten sich die Schülerinnen und Schüler die Grundzüge der Zusammenarbeit zwischen Kästner und Trier, die 1929 mit der Illustration von Emil und die Detektive begann und bis zu Triers Tod 1951 andauerte. Die Verlegerin Edith Jacobsohn hatte die beiden 1929 miteinander bekannt gemacht; insgesamt gingen aus der Begegnung dreizehn illustrierte Kinderbücher hervor. Ergänzt wurde diese Textarbeit durch eine Lesung: Gregory Charamsa las der Klasse Die Konferenz der Tiere vor — jenes Buch, auf das die Ausstellung einen besonderen Schwerpunkt legt. Kästner schrieb diese Politparabel 1949 nach einer Idee von Jella Lepman, der Gründerin der Internationalen Jugendbibliothek; Walter Trier illustrierte sie aus seinem Exil in Kanada. Dass dieser Text bis heute nichts an Aktualität eingebüßt hat, war im Unterrichtsgespräch deutlich zu spüren. Zur Sprache kam dabei auch die biographische Zäsur im Leben beider Künstler: Nach dem Aufstieg der Nationalsozialisten emigrierte der jüdische Künstler nach London und verbrachte seine letzten Lebensjahre in Kanada — illustrierte aber weiterhin aus dem Exil Kästners Bücher.
Im März gastiert die Ausstellung Walter Trier. Der frech-fröhliche Illustrator von Erich Kästners Kinderbüchern der Stiftung Internationale Jugendbibliothek nun am Anton-Bruckner-Gymnasium selbst. Die IJB besitzt die größte Sammlung von Originalillustrationen Walter Triers zu Erich Kästners Kinderbüchern in Europa; die Ausstellung umfasst 60 Originalillustrationen, von denen viele lange nicht mehr öffentlich zu sehen gewesen waren. Ein besonderer Blickfang ist das nachgebaute Cover von Emil und die Detektive. Begleitend bearbeiteten die Schülerinnen und Schüler ein Arbeitsblatt, das ihre Beobachtungen strukturierte und den Blick auf zentrale Merkmale von Triers Illustrationsstil schärfte.
Den Abschluss bildete ein praktischer Versuch: Jedes Kind erprobte die sogenannte Triersche Diagonale am eigenen Bild — ein Kompositionsprinzip, das den Bildraum dynamisiert und den Blick des Betrachters führt. Ergänzt wird dieses Strukturelement durch klare, einfache Linien, einen spielzeughaften Charakter der Figuren und kräftige, leuchtende Farben, die Triers Illustrationen bis heute unverwechselbar machen. Was die Schülerinnen und Schüler bewundert hatten, versuchten sie nun selbst umzusetzen — mit Stift, Farbe und dem Blick für das, was ein Bild in Bewegung versetzt.