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Anton-Bruckner-Gymnasium

„Kraft in sich gefunden”: Yasmin Shakarami las bei den neunten Klassen

Sie kam, las – und blieb weit länger als geplant. Am 22. April 2026 besuchte die Autorin Yasmin Shakarami für eine Lesung mit allen neunten Klassen. Aus der Lesung entwickelte sich ein intensives Gespräch über Literatur, Identität und die Frage, wie viel Mut es braucht, das eigene Leben zu leben.
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Schattenlicht – und was dahintersteckt

Shakarami las zwei Passagen aus ihrem aktuellen Roman Schattenlicht: die Geschichte der Austauschschülerin Billie, die in Kanada auf eine neue Clique trifft, gewaltige Naturerfahrungen macht – und in Beziehungsmuster gerät, die sie an ihre Grenzen bringen. Inspiriert ist der Roman von Shakaramis eigenem mehrjährigen Kanada-Aufenthalt, doch die toxischen Dynamiken, die Billie erlebt, sind bewusst literarisch konstruiert – und das ist der Punkt.

Denn Shakarami übt nach der Lesung deutliche Kritik an einem Genre-Trend: Zu viele aktuelle Jugendromane und Young-Adult-Titel, findet sie, glorifizieren toxische Beziehungen, statt sie zu hinterfragen. Ihr Gegenentwurf: Figuren, die trotz allem handlungsfähig bleiben. Billie findet – unterstützt durch starke Freundinnen und Bezugspersonen – einen Weg heraus. „Kraft in sich gefunden” – das ist kein Werbeslogan, sondern Programm.

Drei Romane, drei Welten – eine Stimme

Die Schülerinnen und Schüler hatten sich gut vorbereitet und stellten Fragen, die tief in den Schreibprozess führten. Wie entsteht ein Roman? Shakarami beschreibt es so: Am Anfang steht eine große Idee – „wie ein Urknall”. Es folgt eine Phase des Chaos, in der Figuren und Szenen entstehen, ohne dass das Ende schon feststeht. Dann schreibt sie strikt chronologisch – und am Schluss wartet ein tränenreicher Abschied von den Figuren, die sie begleitet haben.

Ihre drei bislang veröffentlichten Romane trägt sie sehr unterschiedlich nah am Herzen. Tokyo Rain, ihr Erstling – inspiriert von einem Japanaufenthalt nach dem Abitur – bezeichnet sie selbst als literarisch noch im Entstehen begriffen. Und doch ist er ihr besonders kostbar: als Beweis, dass es möglich war. Sie nennt ihn ihre „Mondlandung”.

Sturmflirren, ihr zweiter Roman, entstand aus Erfahrungen in Katar – wilden Wüstenpartys im Grenzland zu Saudi-Arabien, extremen Kontrasten zwischen Gefahr und Freiheit. Für Shakarami ist es inhaltlich ihr wichtigster Roman: Er zeigt, wie privilegiert wir sind, unsere Identität frei leben und unsere Persönlichkeit immer wieder neu erfinden zu dürfen. Ein indirekter Appell, diese Freiheit ernst zu nehmen – und zu verteidigen.

Moodboards, Lamas und ein Versprechen

Auf die Frage nach ihren Lieblingsfiguren antwortete sie mit einem Schmunzeln: Es seien oft die skurrilen Tiere – die Nacktkatze, das spuckende Lama – und die starken Nebenfiguren, etwa die queere Tante und ihre Partnerin in Schattenlicht. Und auf die Frage nach Schreibblockaden? Kreative Pause, Umdefinition – kein Drama.

Ausblick: 2027 erscheinen ein neuer Jugendroman und Shakaramis erster Erwachsenenroman – beide spielen in Deutschland. Für eine Autorin, für die Reisen Leben und Inspiration bedeuten, ein bewusster Schritt ins Vertraute.

Die Lesung endete mit einem Appell, der im Saal nachklang: Seht eure Freiheit als Privileg. Und umgebt euch mit Menschen, die euch nicht dimmen – sondern Flügel verleihen.

Die Neuntklässlerinnen und Neuntklässler hatten die Lesung mit Moodboards zu den Romanen vorbereitet, die in der Schulbibliothek entstanden waren – und Shakarami war so begeistert, dass sie über Social Media darum bat, die Boards direkt an sie zu schicken. Ein Riesenkompliment.

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