Die mittelalterliche Schreibwerkstatt war am ABG zu Gast. Die sechsten Klassen tauschten den Unterrichtsraum gegen ein Skriptorium – den Schreibsaal, in dem im Mittelalter Mönche und Klosterschüler Bücher von Hand vervielfältigten.
Möglich machte das ein Koffer voller Ausrüstung, den die Museumspädagogik mitbrachte: Mönchskutten, Federkiele, Tinte, Schreibpulte, Pinsel und Farben. Bevor es losging, wurde der Bogen weit gespannt – von den Schreibgeräten der Antike bis zum Kugelschreiber der Gegenwart. Anschauungsobjekte gingen von Hand zu Hand, eine Zeitleiste ordnete ein, was die Klassen im Geschichtsunterricht des Jahres bereits behandelt hatten.
Dann wurde es ernst. In Kutten und an Schreibpulten sollte jede und jeder ein Textblatt gestalten, wie es im Kloster ausgesehen hätte. Was in der Vorstellung romantisch klingt, entpuppte sich schnell als Geduldsprobe: Der Federkiel kratzt, die Tinte fließt entweder gar nicht oder gleich zu viel, und ein Klecks lässt sich nicht wegwischen. Pergament war teuer – ein verdorbenes Blatt bedeutete echten Verlust. Dass viele Kinder im Mittelalter Lesen und Schreiben überhaupt nie lernten, wurde an diesem Tag plausibler als in jeder Schulbuchseite.
Zum Abschluss wurde gezeigt, wie man ein Schriftstück siegelt und wie im Mittelalter aus einem Blatt ein Briefumschlag gefaltet wurde – ohne Klebstoff, allein durch geschickte Faltung.
Der Besuch passte genau in den Lehrplan der Jahrgangsstufe 6: Der Geschichtsunterricht führt hier von der Steinzeit bis ins frühe Mittelalter, und gleich zu Beginn des Schuljahres steht die Frage im Mittelpunkt, in welchen Formen Geschichte überhaupt überliefert wird – schriftlich, mündlich, bildlich, gegenständlich. Wer selbst einmal mit dem Federkiel gearbeitet hat, versteht besser, warum von manchen Jahrhunderten viel und von anderen fast nichts erhalten ist. Zugleich war die Werkstatt ein Vorgriff auf das kommende Schuljahr, in dem das Mittelalter im Zentrum steht.
Am Ende: selbst gestaltete Textblätter, Tintenflecke an den Fingern – und großer Respekt vor Menschen, die auf diese Weise ganze Bücher abgeschrieben haben.